Die meisten haben es wohl schon mitbekommen: Am Montag, den 3. Oktober gab das WPI bekannt, sich von seiner Forschungsdirektorin Dr. Judy Mikovits getrennt zu haben. Binnen weniger Stunden entbrannte eine Schlammschlacht, in der Vorwürfe und Unterstellungen aus verschiedensten Lagern ins Netz geworfen wurden. Worum es genau ging und wie es letztendlich zum Bruch kam ist eigentlich unwichtig. Dass der enorme Druck von außen dabei sicher eine große Rolle gespielt hat schon weniger.
Wie bei einer Trennung üblich, geht jetzt das Gerangel los: In diesem Fall nicht um Tisch und Couch, sondern um Patente, Rechte und Daten, und nicht zuletzt um Forschungsgelder. Was zurück bleibt ist zerstörtes Vertrauen, verunsicherte Patienten und eine Öffentlichkeit, der das einmal mehr egaler nicht sein könnte.
Statt zu Verwirrung und Vorwürfen beizutragen möchte ich die Aufmerksamkeit lieber auf die Dinge lenken, die wir gerne in der Presse sehen würden.
Zum Beispiel, dass es eine gefährliche Falle ist, unbedingt einen Verursacher finden zu müssen, um eine Krankheit zu legitimieren und Therapien zu entwickeln. Dieser ständig wiederholte Vorwurf, ME bzw CFS sei eine "mysteriöse Krankheit ohne bekannte Ursache" ist daher ungerechtfertigt. Das ist keine Besonderheit von ME. Dieses Schicksal teilt diese Krankheit mit mittlerweile medizinisch und gesellschaftlich anerkannten Leiden wie MS, ALS, Autismus und unzähligen weiteren.
Was ausserdem beachtlich ist: Die unterschiedlichen Maßstäbe, die an verschiedene Forschungszweige gestellt werden. Während die immunologische und infektiologische Forschung von der Sekunde ihrer Veröffentlichung an angezweifelt und bis ins kleinste Detail auseinander genommen wird (und es drängt sich der Eindruck auf, dass manche nicht eher ruhen, als bis alle Beteiligten in den Schmutz gezogen, ihr Ruf ruiniert und sichergestellt wird, dass sie ME-Forschung möglichst nicht mehr mit der Beißzange anfassen wollen), darf die Psychiaterriege unbehelligt von jeglicher Kritik zweifelhafte und statistisch bis zur Unkenntlichkeit manipulierte Studien in einem Marketingfeldzug einmal durch die Weltpresse ziehen. Wo bleiben die Berufsskeptiker wenn man sie braucht?
Ich weiß nicht ob Judy Mikovits, wie sie jetzt sagt, wirklich andere, XMRV ähnliche humane Retroviren gefunden hat, das übersteigt mein Urteilsvermögen und Verständnis von der Materie, und ich würde für diese Behauptung gerne neue, untermauernde Daten sehen. Wie es aussieht werden wir diese aber vorerst (und das kann ein sehr langes "vorerst" werden) nicht bekommen.
Währenddessen geht das Leben draußen ungerührt weiter, und manchmal kann ich es den Menschen wirklich nicht verdenken, dass sie sich nicht freiwillig in diesen Schlammassel menschlicher und finanzieller Abgründe begeben, aus dem wir so verzweifelt versuchen zu entkommen.
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Hi,
AntwortenLöschengerade lese ich "passenderweise" folgende Kommentare:
"Eine späte Würdigung für einen Mann der mehrfach durch seine Kollegen entwürdigt wurde. Durch Kollegen, die sich seine Arbeit nicht mal angesehen haben und auch nicht versucht haben sich wenigsten drauf einzulassen. Es hatte auch niemand versucht, seine Arbeit zu widerlegen. Man sagte einfach: Geht nicht. Du Doof!"
"Was man nicht sehen kann ist, wieviel Energie dieser Wissenschaftler damit vergeuden musste, sich gegen kleingeistige Autoritäten beweisen zu müssen und was er in dieser Zeit sonst noch hätte erforschen können, wenn er gefördert worden wäre! In der Wissenschaft (wie auf allen Gebieten), kommt die Menschheit nur sehr langsam voran, weil die nüchterne Wahrheit weniger gewürdigt wird, als machtorientierte Effekthascherei!"
Nur dass es "unpassenderweise" diesmal nicht um die (verhinderte) Forschung zu CFS oder XMRV geht, sondern um ein ganz anderes Thema, - den Chemienobelpreis für den Entdecker der "Quasikristalle" nämlich. http://www.tagesschau.de/ausland/chemienobelpreis104.html
Spontaner Gedanke: Vielleicht sollten wir - auch für unser eigenes psychische Wohl -endlich aufhören, manche Dinge gar zu persönlich zu nehmen?!